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Wochenenden draussen

Rumänien im Campervan: Zwischen Karpaten, Strategica und Schwarzem Meer


Es war unsere erste Reise mit einem Campervan und gleichzeitig auch als Familie mit Milo. Wir hatten uns dafür nicht gerade die gemütlichste Variante ausgesucht: Rumänien, Mitte September und ein Mercedes Sprinter, der mit Allrad, riesigen Reifen und ordentlich Bodenfreiheit eindeutig mehr konnte als nur auf der Autobahn fahren und gemütlich am Campingplatz stehen.

Gemietet hatten wir den Van bei Karvan 4×4, einem der wenigen rumänischen Campervan-Vermieter. Auf unserer Route und speziell auf der Strategica sollten wir später tatsächlich jeden Zentimeter Bodenfreiheit brauchen. Am Anfang beschäftigten uns aber noch ganz andere Dinge: eine scheinbar fehlende Zahlung, zu viel Zeug im Auto, einkaufen und die Suche nach dem ersten Stellplatz für die Nacht.

Jakob und Marianne mit Milo und seiner Urkunde nach dem ersten Flug.
Milos erster Flug – inklusive Urkunde vom Piloten.

Start unseres ersten großen Familienurlaub

Am 15. September ging es in Wien recht zeitig los. Für Milo war es der erste Flug. Er machte ihn erstaunlich unkompliziert mit und bekam vom Piloten sogar ein Zertifikat. In Bukarest waren wir mit unserem Handgepäck schneller draußen, als die Vermieter erwartet hatten. Deswegen war zunächst niemand da, um uns abzuholen: Bei ihnen schien unsere Zahlung nicht angekommen zu sein. Am Ende stellte sich heraus, dass es ein Problem mit der Bank war.

Der Start war also ein wenig holprig, danach waren die Vermieter aber wirklich lieb und sehr gastfreundlich. Sie holten uns ab, luden uns bei sich zu Hause auf einen Kaffee ein und erklärten uns den Van in Ruhe. Danach räumten wir in Ruhe den Van ein, gingen einkaufen und versuchten uns unser zu Hause auf 4 Rädern so gemütlich wie möglich zu machen.

Am ersten Abend standen wir an einem Stausee bei Golesti südöstlich von Pitești. Den Platz hatten wir über Park4Night gefunden. Das Wasser war ziemlich trüb und roch so, dass wir nicht ernsthaft ans Baden dachten. Dafür gab es einen schönen Sonnenuntergang, Nudeln und das Gefühl, diesen langen ersten ereignisreichen Tag gut geschafft zu haben. 

Campervan als Silhouette unter dem Abendhimmel beim ersten Stellplatz nahe Călinești.
Der erste Stellplatz: nicht perfekt, aber mit einem ziemlich guten Sonnenuntergang.

Ein Bär und eine leuchtende Motorkontrolllampe

Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Transfăgărășan, da saß plötzlich ein großer Braunbär direkt am Straßenrand. Es war genau so, wie man sich einen Bären vorstellt: groß, ruhig und ziemlich beeindruckend. Wir schauten ihn ein paar Minuten aus dem Auto an und fuhren dann weiter.

Ein paar ruhige Sekunden mit dem Bären am Straßenrand des Transfăgărășan.

Kurz darauf begann das erste echte Problem der Reise. Irgendwo weit oben auf der Bergstraße leuchtete die Motorkontrolllampe auf. Der Van ging in den Notlauf und hatte plötzlich kaum noch Leistung. Es war klar so konnten wir nicht auf Dauer weiterfahren, also besprachen wir mit den Vermietern wie wir weitermachen. So stand ziemlich schnell fest, wir müssen in die nächste Werkstatt nach Sibiu fahren.

Bevor es so weit war, blieben wir zwei Nächte an einem kleinen Bach südlich des Transfăgărășan-Passes mitten im Hochtal. Vor dem Van rauschte das Wasser, rundherum die Berge, und nach dem Motorproblem tat es gut, einfach einmal dort zu bleiben. Für uns war das ein echter Traumspot.

Vom Van weg gingen wir am nächsten Vormittag Richtung Arpășel–Vârtopel. Der Weg führte zuerst am Bach und  dann ins offene Berggelände. Oben gab es eine einfache Hütte aus Blech – nicht romantisch hergerichtet, sondern sehr schlicht zum Übernachten. Die Aussicht oben in der Schate hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Milo hat die komplette Wanderung fast komplett in der Trage verschlafen, nur oben in der Schate war er kurz munter und erkundete die Gegend.

Wanderinfo: Vom Bachcamp Richtung Arpășel–Vârtopel

  • Start und Ziel: Bachcamp südlich des Transfăgărășan-Passes
  • Distanz: 5,53 km
  • Höhenmeter: 531 hm bergauf, 527 hm bergab
  • Höhenlage: 1.682 bis 2.180 m
  • Dauer: ca. 2:45 Stunden
  • Charakter: Bach, danach ein kurzer, steiler Anstieg ins offene Berggelände
  • GPX: Direkt bei der interaktiven Wanderkarte herunterladen.

Wanderkarte und Höhenprofil

Höhenprofil

Das Höhenprofil benötigt JavaScript.

Zurück am Van gingen wir sogar kurz in den Bach um uns zu erfrischen, das Wasser was jedoch ordentlich kalt. Nach dieser Abkühlung waren wir froh, dass wir im Anschluss im Van warm duschen konnten.

Mit wenig PS nach Sibiu

Am nächsten Morgen fuhren wir recht früh über den Pass. Bâlea Lac war von Hotels und sehr vielen Standeln umgeben und hat uns nicht besonders interessiert. Also ging es mit reduzierter Motorleistung weiter nach Sibiu zur Mercedes-Werkstatt.

Dort hieß es zuerst, ein Ersatzteil könne mehrere Tage brauchen. Der Vermieter telefonierte herum und machte offenbar ordentlich Druck, dass der Van so schnell wie möglich wieder einsatzbereit war.

Wir hatten vorsorglich ein Hotel genommen, weil wir nicht wussten, wann der Van fertig sein würde, und diesen Stress mit Milo nicht brauchen konnten.  So konnten wir in Ruhe durch Sibiu spazieren, es gab einen überschaubaren Altstadtkern, guten Speciality Coffee – was uns gut gefiel. Noch am selben Tag war der Abgassensor getauscht und der Sprinter hatte wieder seine volle Leistung.

 

 

Ein ruhiger Tag am Fluss

Nach Werkstatt und Stadt brauchten wir einen ruhigeren Tag, bevor das nächste Abenteuer began. Wir fuhren in ein Seitental bei Copăceni beziehungsweise Racovița und stellten uns auf eine Wiese direkt am Fluss. An unserem Flusscamp bei Copăceni war das Wetter gut, wir kochten, spielten mit Milo und ließen einfach die Seele baumeln. Zum Abschluss haben wir noch ein Lagerfeuer gemacht, um diesen Tag gemütlich ausklinken zu lassen.

Marianne sitzt lächelnd mit Milo vor seinem ersten Lagerfeuer.
Milos erstes Lagerfeuer am Flusscamp.

 

Unser spektakulärster Abschnitt: die Strategica

Wir fuhren nicht die normale Route zur Transalpina, sondern über die Strategica – eine Straße, von den Deutschen im Krieg gebaut, die über einen Bergrücken entlang verläuft. Der Einstieg, den wir gewählt hatten, wurde schnell sehr steil und eng vom Wald hinauf zum Hochplateau . Die Äste streiften den langen, breiten Sprinter, und in den ausgefahrenen Spuren brauchten wir wirklich die gesamte Bodenfreiheit. Wir waren froh , dass Milo alles einfach verschlafen hat. 

 

Vom groben Waldweg hinaus auf die offene Hochfläche der Strategica.

Oben auf der offenen Hochfläche angekommen, lag der härtesteTeil hinter uns. Die Strecke blieb teilweise schmal und ausgesetzt, aber die Landschaft war großartig und weitläufig. Wir hatten viel Sonnenschein und das Hochplateau gefiel uns besonders gut – es war überall eine runde hügelige Landschaft und keine spitzen markanten Gipfel wie in den Alpen bei uns. Das machte es für uns auch einzigartig. 

Am frühen Nachmittag fanden wir auf einem Sattel zwischen zwei Hügeln unseren Stellplatz für die Nacht. Genau an solchen Orten, machte für uns der Camper am meisten Sinn: alleine, weit weg von Hotels und Ortschaften, mit nichts als Bergen rundherum.

Weite goldene Bergkämme der Strategica unter dramatischen Wolken.
Abendlicht über den Kämmen der Strategica.

Da das Wetter eher schlecht angesagt war für die nächsten Tage und es in der Früh schon leicht zu nieseln began, beschlossen wir ziemlich zeitig zu starten, um den letzten Teil der Strategiga auch erfolgreich abzuschließen. Bei den tiefen Pfützen, den Schrägpassagen und dem Gras neben der Spur wollten wir nicht abwarten, bis alles richtig durchnässt war. Als der Nebel immer dichter und der Regen stärker wurde, waren wir froh wieder auf einer asphaltierte Straße die Transalpina zu sein. Auf dem Pass im dichten Nebel und bei strömenden Regen frühstückten wir gemütlich im Van, bevor wir die Bergstraße hinunterfuhren, da im Tal besseres Wetter angesagt war.

Straße im dichten Nebel bei der Abfahrt von der Strategica.
Am Morgen kamen Nieselregen und dichter Nebel.

Alltag auf wenigen Quadratmetern

Marianne lächelt aus dem Bett im hellen Innenraum des Campervans.
Ein Tag im Van bei Novaci.

Unterhalb der Berge fanden wir bei Novaci einen Stellplatz am Bach. Wir tranken Kaffee, arbeiteten ein wenig am Laptop und spielten Karten und mit Milo – also hatten einen schönen, entspannten Tag. Hier im Tal war es schön sonnig, jedoch sahen wir in den Bergen zahlreiche dunkle Wolken. 

Die Karpaten stellten ganz klar unser Highlight der Reise dar und waren wirklich beeindruckend zu sehen. Dafür hat sich der Campervan auf jeden Fall gelohnt, einfach mitten in der Natur zu stehen und die Vorteile einer Dieselheizung in der Nacht zu genießen. Dadurch das die Wettervorhersage für die nächsten Tage in Rumänien eher schlecht war außer am Schwarzen Meer, beschlossen wir die Karpaten hinter uns zu lassen – da uns Schnee und Minusgrade mit Baby doch etwas zu riskant erschien.

Milo ist toll. Er ist ein sehr pflegeleichtes Baby und hat das super mitgemacht.

— Jakob

Der Zwischenstopp auf dem Weg ans Meer war leider wirklich nur eine Notlösung: ein kleiner Fluss nahe einer Straße, Verkehrslärm und wir beide ziemlich erledigt. Der Stellplatz war schon nahe bei Bukarest, wo es sich als eher schwierig gestaltet hat schöne, naturnahe Stellplätze zu finden. 

Schwarzes Meer: Tuzla Beach

Nach einem zweiten langen Fahrtag kamen wir am Tuzla Beach an. Wir standen oberhalb der steinigen Küste, gingen ins Meer und hatten einen Platz in Alleinlage. Es war ziemlich windig, jedoch wurden wir mit einer Aussicht auf das schwarze Meer belohnt und konnten den Wellen zuschauen. 

Am ersten Tag hatten wir starken Wind und keine Fliegen, am nächsten Tag war es leider umgekehrt. Wir hatten wirklich sehr viele Fliegen im Van und konnten diese auch durch mehrmaliges Durchlüften bis zum Schluss nie ganz loswerden. 

Nach zwei Tagen am Strand fiel uns etwas die Decke auf den Kopf. Es war kein richtiges, warmes Badewetter, und es war leider für sonstige Aktivitäten, die wir gerne machen wie Kitesurfen oder Tauchen gehen, schon Offseason.

Daher haben wir beschlossen für eine Nacht in das Hotel „Euforia Retreat & Spa“ bei Eforie zu gehen. Dort gingen wir abwechselnd in die Sauna und danach ins Meer uns abkühlen. Mit Milo wechselten wir uns ab: Eine Person blieb bei ihm, die andere ging ins Spa. Wir aßen gut und hatten einen richtig erholsamen Tag. 

Constanța inklusive einem Besuch im Waschsalon

Am nächsten Tag war unsere letzte Unterhose verbraucht und wir mussten dringend Wäsche waschen. Wir mussten in ein Self-service Waschsalon gehen, da aufgrund des Wochenendes alle anderen geschlossen waren. Also warteten wir ungefähr eine Stunde auf einem Parkplatz, bis Waschmaschine und Trockner fertig waren. 

Marianne mit Kinderwagen vor dem historischen Casino von Constanța.
Ein kurzer Spaziergang beim Casino von Constanța.

Im Anschluss sind wir dann durch die Altstadt von Constanța geschlendert, sahen das historische Casino am Meer, den Hafen und die Hauptstraße. Die älteren Häuser gefielen uns wesentlich besser als viele Gebäude aus der sozialistischen Zeit. Auch waren die Straßen sehr lebendig mit vielen Einheimischen gefüllt, wir tranken Specialty Coffee und haben es sehr genossen.

Am späten Nachmittag fuhren wir weiter zu einem Donauarm bei Seimeni, um dort unseren Stellplatz für die nächsten Nächte zu haben. Dort standen mehrere Fischer, am Ufer lagen viele Muscheln, und wir verbrachten zwei ruhige Abende direkt am Wasser. Untertags sahen wir einige Frachtschiffe entlang fahren, ansonsten war es ein ziemlich ruhiger Stellplatz. Wir schafften es sogar beide eine kleine Runde laufen zu gehen, dabei begegneten uns ein Esel, Schaffs- und eine Ziegenherde.

Jakob sitzt mit Laptop und Campingtisch am Stellplatz bei Seimeni.
Ein ruhiger Abend am letzten dokumentierten Stellplatz dieser Fassung.

Abschluss in Bucharest

Die letzte Nacht vor unserem Heimflug verbrachten wir in Bucharest. Wir schauten uns den Palast des Volkes und spazierten durch die Altstadt an. Kulinarisch hat Bucharest einiges zu bieten, wir waren gut koreanisch und Burger essen – und tranken guten Speciality Coffee, wovon es unzählige Optionen gibt. Bucharest ist für einen Tag völlig ausreichend, da wir beide nicht so die Museumsgänger sind.

 

Fazit unserer ersten Camperreise

Die Karpaten waren ohne Zweifel das Highlight. Wenn wir diese Reise noch einmal zu einer anderen Jahreszeit machen würden, dann eher im Sommer, wenn es wärmer ist. 

Gleichzeitig haben wir auf dieser ersten längeren Familienreise gemerkt, welche Art von Camperurlaub zu uns passt – und welche eher nicht. Wenn ein Hotel in der Nähe ist, sind wir keine großen Fans vom klassischen Wohnmobilurlaub. Dafür ist uns der Alltag im Van zu aufwendig. Sinn ergibt ein Camper für uns vor allem dann, wenn wir damit allein und weit weg von der Zivilisation stehen können. Der Sattel auf der Strategica war dafür das beste Beispiel.

Was von Rumänien hängen bleibt, sind starke Gegensätze: der Bär am Straßenrand, die Motorkontrolllampe, der stille Bach in den Bergen, süße kleine Städtchen und auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und Reise mit unserem Sohn gemeinsam. 

 

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