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Wochenenden draussen

Doppeldate mit Zelt und Schnee

Zeltplatz im Schnee mit Blick Richtung Rottenmanner Tauern
Zeltplatz im Schnee unterhalb des Gefrorenen Sees.

In den Bergen zu sein ist für mich eine der schönsten Sachen auf der Welt. Noch besser wirds nur, wenn man dann auch noch mit der Freundin oder mit guten Freunden unterwegs ist – und in diesem Fall gleich beides.

Einfach spontan auf WhatsApp schreibt mir Eva, ob wir nicht Lust hätten, zu viert das mit dem Wildcampen einmal auszuprobieren. Dabei ist bei sowas für mich eigentlich gar nicht die Frage, ob man das machen will, sondern nur, wann wir dafür Zeit finden. Und Zeit haben wir an diesem Juni-Wochenende gefunden. Okay – bis mein fauler Arsch diesen Blog fertiggeschrieben hat, ist es dann doch ein bisschen länger her geworden.

Die Planung

Die Planung habe ich diesmal bewusst nur grob gemacht. Ich wollte flexibel bleiben und die Tour spontan an Laune, körperliche Verfassung und Wetter anpassen. Der Fokus war nicht Gipfel abhaken, sondern ein schönes Abenteuer-Wochenende am Berg.

  • Alpines Gelände – Zelten im Wald ist einfach nicht dasselbe.
  • Wasser in der Nähe – so viel Wasser für vier Leute tragen ist zach.
  • Anfahrt von Wien nicht komplett jenseitig.
  • Etwas Neues, das wir noch nicht kennen.

Geworden ist es die Gegend rund um den Großen Bösenstein in den Rottenmanner Tauern – genauer: die Route von der Scheibelalm Richtung Gefrorener See. Und sie hat nicht enttäuscht.

Leider bildet sich in den Tagen vor der Tour eines ganz klar ab: Das Wetter ist besch…eiden angesagt. Meteoblue sieht für Samstag und Sonntag Gewitter und Schauer. Ganz nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechtes Material“ machen wir noch einen schnellen Zwischenstopp beim Decathlon an der Südautobahn und kaufen ein Tarp. Spoiler: sehr gute Entscheidung.

Losgehen Richtung Ochsenkar

Vom Parkplatz bei der Scheibelalm starten wir mit schweren Rucksäcken Richtung Gefrorener See. Ich lege noch eine Notiz ins Auto – geplante Route, grobe Rückkehrzeit, Telefonnummer. Das ist kein großes Drama, aber wenn man mit Zelt und Wetterlotterie unterwegs ist, beruhigt es einfach.

Der Weg geht zuerst wunderschön am Bach entlang, immer wieder über kleine Brücken und durch den Wald. Auf etwa 1.650 Metern kommt man ins Ochsenkar, eine weite Lichtung mit Bach und sumpfigen Wiesen. Ab hier wird es steiler – und deutlich winterlicher.

Nach dem schneereichen Winter 2020/21 waren wir vorbereitet, dass Anfang Juni noch Altschnee herumliegen wird. Trotzdem sind die steileren Schneefelder eine ordentliche Herausforderung, vor allem wenn man nicht ständig auf Schnee unterwegs ist. Absturzgelände war für uns in der gewählten Linie keines dabei, aber die Grödeln im Rucksack haben sich trotzdem nicht nach übertriebener Vorsicht angefühlt.

Zwei Personen queren ein Altschneefeld in weitem Abstand
Altschnee war Anfang Juni noch reichlich vorhanden.

Planänderung: See später, Zelt jetzt

Nach den Schneefeldern flacht das Gelände wieder ab. Der Blick in den Kessel ist großartig, kurz kommt sogar die Sonne heraus – und genau da kippt die Tour von „wir gehen noch bis zum See“ zu „eigentlich ist es hier ziemlich perfekt“.

Wir sind dann nicht ganz bis zum Gefrorenen See weitergegangen. Der See war zwar das geplante Ziel, aber weiter oben hätten die Chancen auf einen halbwegs trockenen Zeltplatz ohne Schneeunterlage eher schlecht ausgeschaut. Also haben wir recht bald die Zelte aufgestellt: unterhalb des Sees, auf einer kleinen schneefreien Fläche mit Aussicht, Bach-/Schneewasser in Reichweite und genug Abstand zu den richtig nassen Stellen.

Schnee schmelzen, Packerlsuppe und Benzinkocher-Romantik

Ab dann wurde unser Zeltplatz ziemlich schnell zur Bergversion einer WG-Küche. Zelte aufstellen, Tarp abspannen, Rucksäcke sortieren, Wasser organisieren. Weil wir nicht direkt am See waren und fließendes Wasser nicht überall praktisch erreichbar war, haben wir viel Schnee geschmolzen.

Der Soto Muka Benzinkocher hat sich dabei sehr bewährt. Mit Tee kochen, Essen kochen und allem Trinkwasser aus geschmolzenem Schnee sind wir zu viert mit einer Benzinflasche genau ausgekommen. Nicht luxuriös, aber ziemlich zufriedenstellend – vor allem, wenn aus einem Topf Schnee irgendwann tatsächlich Tee wird.

Unter dem Tarp gab es dann Knorr Kürbis-Packerlsuppe. Kulinarisch keine Haube, emotional mindestens fünf Sterne. Das Tarp war überhaupt der heimliche Star der Tour: Küche, Wohnzimmer, Wetterschutz und moralische Unterstützung in einem Stück Stoff.

Schlafsack im grünen Zelt
Innen war es gemütlich – trocken blieb trotzdem relativ.

Über null Grad heißt nicht warm

Was ich von der Nacht am meisten mitgenommen habe: feuchte Kälte ist nicht zu unterschätzen. Es hatte nicht brutal minus zehn Grad, sondern eher knapp über null – und genau das kann unangenehm sein, wenn alles feucht ist. Der Boden, die Luft, die Zeltwände, die Handschuhe, irgendwann gefühlt auch die Gedanken.

Im Schlafsack war es schon okay, aber draußen wurde alles schnell klamm. Für solche Bedingungen ist „eh über null Grad“ ein schlechter Maßstab. Trocken bleiben, Wechselkleidung trocken halten und nicht zu spät mit Essen und warmem Trinken anfangen – das macht einen riesigen Unterschied.

Blick vom Tarp in neblige, verschneite Hänge
Feuchte Kälte: über null Grad, aber trotzdem unangenehm frisch.

Der Morgen danach

Am nächsten Tag war die Welt deutlich grauer. Frühstück, Tee, langsam zusammenpacken – kein Stress, kein Gipfelziel, kein „wir müssen noch“. Genau das war eigentlich das Schöne an der Tour. Wir waren draußen, hatten unseren kleinen Zeltplatz, haben eine Nacht am Berg verbracht und mussten niemandem etwas beweisen.

Danach sind wir gemütlich abgestiegen. Der Schnee war weich, die Wiesen nass, die Schuhe irgendwann auch. Unten beim Bach und im Wald war alles wieder deutlich grüner, aber die Feuchtigkeit ist uns noch eine Weile nachgegangen.

Fazit

Als klassische Wanderung zum Gefrorenen See ist die Tour nicht besonders lang, aber Anfang Juni mit viel Altschnee, schweren Rucksäcken und Übernachtungszeug fühlt sie sich schnell nach mehr an. Für uns war genau das der Reiz: kein großes alpines Ziel, sondern ein kleines Abenteuer mit Freunden, Zelten, Schnee und genug Improvisation, dass es in Erinnerung bleibt.

Würde ich wieder so machen? Ja. Aber wieder mit Tarp, wieder mit warmem Essen – und mit noch mehr Respekt vor feuchter Kälte.

Hinweis: Die Karte zeigt die Standardroute von der Scheibelalm zum Gefrorenen See. Wir haben unterhalb des Sees gezeltet. Biwakieren/Zelten in den Bergen ist je nach Gebiet und Bundesland unterschiedlich geregelt – bitte vor Ort informieren, Naturschutz respektieren und keine Spuren hinterlassen.