Breitenkopfhütte: Skitourenwochenende mit Plan B

Breitenkopfhütte im Winter unter einem Felsvorsprung in der Mieminger Kette.

Eigentlich war der Plan ein anderer. Natürlich.

Simon und ich wollten Mitte Februar über ein verlängertes Wochenende Skihochtouren machen – irgendwo in den Ötztaler Alpen oder vielleicht in der Schweiz. Also eher die Kategorie: große Berge, viel Weiß, bisschen Abenteuer, im Kopf schon alles sehr lässig.

Dann kam die Lawinensituation.

Und damit war schnell klar, dass das nicht wirklich realistisch ist. Zum Glück waren die Touren aber mit dem Innsbrucker Bergfex Simon geplant. Simon studiert Meteorologie, kennt sich mit Schnee und Lawinen wirklich gut aus und schreibt außerdem bei Bahn zum Berg. Sein Vorschlag für einen guten Plan B: Zwei Tage rund um die Breitenkopfhütte in der Mieminger Kette.

Und rückblickend war das wahrscheinlich genau richtig.

Verschneiter Forstweg beim Zustieg Richtung Gaistal und Breitenkopfhütte.

Der lange Zustieg beginnt eher gemütlich und flach.

Skitourengeher am langen Zustieg durch das verschneite Gaistal Richtung Breitenkopfhütte.

Langer Zustieg aus dem Gaistal – genug Zeit für Gespräche und erste Blasen.

Erste Skitour der Saison, mittelmäßige Form

Für mich waren es die ersten Skitouren der Saison. Und ich war – sagen wir es freundlich – nicht in absoluter Rekordform. Meine Verlobte war hochschwanger, entsprechend die Familie eher im Vordergrund als das Training.

Also genau der richtige Zeitpunkt für einen langen, flachen Zustieg.

Wir starteten im Gaistal bei Leutasch, beim Parkplatz Gaistal Salzbach, und gingen Richtung Igelskar und Breitenkopfhütte. Der Zustieg ist nicht schwierig, aber er zieht sich. Sehr sogar. Es geht lange flach hinein, man hat viel Zeit zum Plaudern, viel Zeit zum Schauen – und in unserem Fall auch genug Zeit, sich die ersten Blasen zu holen, bevor es überhaupt richtig bergauf ging.

Bei der Breitenkopfhütte muss das Brennholz am Ende des Flachstücks selbst eingepackt und zur Hütte raufgetragen werden mitgenommen. 

Irgendwann wird das Gelände dann spannender, die Wände rücken näher, und aus dem gemütlichen Forststraßenmodus wird langsam wieder Skitour. Die Breitenkopfhütte liegt auf ungefähr 2.020 Metern und ist wirklich sehr eigen: klein, selbstversorgerisch und direkt unter einem Felsvorsprung hingebaut. Nicht so ein bisschen „schön gelegen“, sondern wirklich: die Hütte klebt da unter dem Felsen, als hätte jemand einen sehr guten Platz für einen Unterschlupf gefunden und dann einfach nicht mehr weitergesucht.

Brennholz, AV-Schlüssel und Hüttengeruch

Die Breitenkopfhütte ist keine bewirtschaftete Hütte, sondern eine kleine Selbstversorgerhütte der DAV-Sektion Coburg. Im Winter kommt man nur mit AV-Schlüssel hinein. Reservieren kann man nicht, und man sollte sich entsprechend nicht darauf verlassen, dort alleine zu sein.

Wir waren in der ersten Nacht tatsächlich alleine – und dachten, dass das so bleiben wird – drum waren wir sehr sparsam mit dem Holz – Am Ende haben wir eh Holz übrig gelassen, weil wir keine zweite Nacht gemacht haben (und dann eh eine zweite Gruppe mit neuen Holzvorräten raufgekommen ist)

Lawinenlage: lieber defensiv und zufrieden heimkommen

Die Lawinenlage war an dem Wochenende nicht die Sorte Bericht, bei der man liest und denkt: „Ja super, überall hin, freie Auswahl.“ Im Tiroler Lawinenreport vom 13. und 14. Februar wurden für viele Bereiche vor allem schwacher Altschnee und Triebschnee genannt; teils mit der Formulierung einer „heimtückischen Lawinensituation“. Besonders kritisch waren steile West-, Nord- und Osthänge oberhalb der Waldgrenze beziehungsweise rund um und oberhalb von etwa 2.000 bis 2.200 Metern.

Wir haben deshalb Gelände, Exposition und Schneedecke recht genau angeschaut, auch Schneeprofile gegraben und die Touren bewusst defensiv gehalten. Keine spektakulären Gipfel, keine Linie, die man sich nachher schönreden muss. Eher schauen, was bei den Bedingungen sinnvoll geht, und dann damit Spaß haben.

Das klingt vielleicht weniger heroisch, war aber eigentlich genau das Gute an dem Wochenende: Ich hatte nie das Gefühl, dass wir Entscheidungen treffen, die wir später bereuen würden.

Hinweis: Die Tour war für uns bei den damaligen Bedingungen machbar. Lawinenlage, Schnee und Gelände müssen selbstständig beurteilt werden; im Zweifel defensiv planen oder umdrehen.

Rinnen statt Gipfelsammlung

Am zweiten Tag sind wir von der Hütte Richtung Breitenkopf unterwegs gewesen. Nicht mit dem Anspruch, unbedingt irgendwo oben stehen zu müssen, sondern eher mit dem Plan: schauen, welche Rinnen und Hänge bei den Bedingungen passen.

Das Gelände rund um die Hütte ist ziemlich cool: steile Felswände, Kare, Rinnen, kurze Gegenanstiege, wieder abfahren, wieder stapfen. Teilweise war es ziemliche Wühlerei und man ist nicht immer elegant vorangekommen. Aber sobald es dann wieder ein paar hundert Höhenmeter hinunterging, war die Gaudi groß.

Es waren wenige schwünge – aber die erstapften Rinnen-Schwünge, die wir gemacht haben waren sehr fein!

Gegen Ende wurde der Schnee unten dann richtig schwer und nass – die Talabfahrt war teilweise eher batzig als genussvoll. Also nicht die Art Schnee, bei der man sich denkt: „Ah, deswegen mache ich das.“

Aber genau da liegt vielleicht der Punkt.

Es muss nicht immer perfekt sein

Ich glaube, das Wochenende war wieder einmal ein guter Beweis dafür, dass Bedingungen nicht perfekt sein müssen, damit sich eine Tour auszahlt.

Natürlich: Bei Lawinengefahr heißt „nicht perfekt“ nicht, dass man einfach trotzdem alles macht. Im Gegenteil. Aber wenn man bereit ist, den Plan anzupassen, defensiv zu bleiben und nicht beleidigt zu sein, weil der ursprünglich viel größere Plan nicht geht, dann kann am Ende etwas sehr Gutes herauskommen.

Wir waren in einem Gebiet, das ich vorher gar nicht kannte. Ich war mit Simon unterwegs, was sowieso lässig war. Wir haben eine der cooleren kleinen Hütten kennengelernt, die ich bisher gesehen habe. Wir haben Holz geschleppt, Schneeprofile gegraben, in Rinnen herumgewühlt und sind am Ende in Ehrwald rausgekommen.

Und genau für solche Durchquerungen liebe ich Öffi-Touren eigentlich. Man muss nicht zwingend wieder zum Auto zurück. Man kann in einem Tal starten, in einem anderen Tal aufhören und die Route so legen, wie es fürs Gelände sinnvoll ist.

Die Rückfahrt war dann zwar noch ein eigenes Kapitel mit ÖBB-Verspätung und sehr später Heimkunft, aber das ist eine andere Geschichte. Oder zumindest eine, die nicht die Hauptgeschichte sein muss.

Kurzer Stimmungsclip aus einer der Rinnen Richtung Breitenkopf.

Praktische Infos

Route: Parkplatz Gaistal Salzbach / Leutasch – Igelskar – Breitenkopfhütte – Varianten/Rinnen Richtung Breitenkopf – Abfahrt Richtung Ehrwald / Ehrwalder Almbahn Talstation
Datum: 13.–14. Februar 2026
Gebiet: Mieminger Kette, Tirol
Übernachtung: Breitenkopfhütte, kleine Selbstversorgerhütte, nur mit AV-Schlüssel zugänglich
Track/Karte: siehe eingeblendete Karte; die gefahrenen Varianten sind bewusst nur als Verlauf zu verstehen, nicht als Empfehlung

Abschnitt Distanz Höhenmeter
Tag 1: Leutasch/Gaistal → Breitenkopfhütte ca. 13,1 km ca. +820 hm
Tag 2: Hütte/Rinnen Richtung Breitenkopf → Ehrwald ca. 11,6 km ca. +660 hm / -1.585 hm
Gesamt ca. 24,7 km ca. +1.480 hm

Anspruch: stark bedingungsabhängig. Der Zustieg zur Hütte ist lang, das Gelände rund um die Hütte ist eher etwas für fortgeschrittene Skitourengeher:innen mit Lawinenkompetenz.
Wichtig: Im Winter besteht beim Auf- und Abstieg Lawinengefahr. Die Hütte sollte selbstverständlich sauberer hinterlassen werden, als man sie vorgefunden hat. Brennholz, Schlüssel, Schlafplätze und andere Hüttennutzer:innen sollte man nicht erst vor Ort zum ersten Mal bedenken.

Karte

Karte der Skitour vom Gaistal zur Breitenkopfhütte und weiter nach Ehrwald.

Track aus den Suunto-GPX-Dateien: Zustieg aus dem Gaistal, Varianten Richtung Breitenkopf und Abfahrt nach Ehrwald.

Mountainbiken für Anfänger: Wechsel Trails

Super flexible Tour für Anfänger und fortgeschrittene mit Karte und Video

In den letzten 10 Jahren war das Fahrrad für mich kein Sportgerät, sondern ein Werkzeug um in der Stadt von A nach B zu kommen. Mit der Meinung bin ich wohl ziemlich alleine unter den Bergsportlern glaube ich. Zumindest im Internet und in meinem Bekanntenkreis hat jetzt doch irgendwie jeder ein Rennradl oder Mountainbike. Und auch Bikepacking, Bike and Hike, Bike and Ski und sogar Bike and Fly sind überall auf Instagram.

Um herauszufinden, ob da wirklich was dran ist, musste ich das jetzt auch mal ausprobieren. Mit der richtigen Kombination aus freiem Samstag, gutem Hawara und spitzen Wetter bin ich mit meinem alten Freund Matti, seinem Freund Clemens und Mattis Vater zum Wechsel in Niederösterreich gefahren. Weil ich nur mein Stadt-Rennradl habe und in den blauen Skoda-Kombi sowieso nur zwei Radel passen habe ich mir einfach dort, im Verleih ein Radl ausgeborgt – zumindest hab ich mir das so vorgestellt. Wie aber schon gesagt: Mountainbiken ist im Trend. Und so konnte ich nur mit großem Glück das letzte Mountainbike im Verleih bei der Talstation ergattern. Also lieber schon vorab reservieren.
Immerhin – das letzte verfügbare Bike war ein premium-Fully, das ich mir sonst eh nie geleistet hätte – hatte also auch Vorteile 😉

Die Route

Weil ich ja was Mountainbiken angeht ein ziemlicher Anfänger bin, habe ich die Routenplanung Volker und Matti überlassen – und es war echt eine geile Route! 40km und 1300hm feinste Trails, Waldwege, Forststraßen und ein kurzes Asphaltstück am Anfang (verkehrsarm und mit schönem Blick) haben wir uns vorgenommen. Das coole an der Route ist, dass sie mit kleinen Modifikationen gut anpassbar an das gewünschte Niveau ist.

Wem 1300hm zu viel sind – der kann einfach mit dem Auto rauf zur Steyersberger Schwaig fahren und spart sich gleich mal die Hälfte der Höhenmeter. Die Schwierigkeit der Route kann abschnittsweise von Forststraße bis Downhill-Trail angepasst werden. So kann man sich auch für einzelne Abschnitte der Route trennen und dann gemeinsam weiterfahren. Auf jeden Fall kommt man regelmäßig an Hütten mit Möglichkeiten für Jause oder Mittagessen vorbei (was wir auch voll ausgenützt haben 😉

Vom Parkplatz geht es erst mal abwärts über die wenig befahrene Straße. Ein guter Zeitpunkt, um sich mal mit dem Bike und vorallem mit den Bremsen vertraut zu machen. Nach wenigen Minuten zweigt die Route von der Bundesstraße auf eine kleine Nebenstraße und kurz darauf auf eine geschotterte Forststraße ab. Jetzt geht es vorallem in eine Richtung – nach oben. Circa die Hälfte der Höhenmeter der Tour macht man hier gleich am Anfang – meist schön schattig im Wald. Auf einer Lichtung kommt dann die erste Möglichkeit einzukehren, der Steyersberger Schwaig. Hier gibt es auch einen Parkplatz um wie erwähnt die Tour mit dem Auto abzukürzen.

Wir fühlen uns aber noch frisch und entscheiden uns gleich weiter zu fahren zur Kranichberger Schwaig, die nur ca. 150hm weiter ist.
Die 150hm lohnen sich auf jeden Fall, weil sowohl der Hirsch, der Schweinsbraten, als auch der Marillenkuchen hier einmalig schmecken, und das nicht wegen unserem Hunger!

Nach dem Essen geht es weiter rauf – bis auf den Hochwechsel. Wer sonst nie länger Radfährt wird spätestens hier die Höhenmeter in den Oberschenkeln spüren. Dafür geht es bis auf einen, zwei kurze Stellen ab hier nur noch bergab. Und zwar richtig lässig bergab!

Downhill

Kanpp unterhalb vom Gipfel geht der WU-Trail los. Der ist nicht extrem schwierig und gerade deswegen macht er so Spaß, weil man selbst als Amateur mit relativ viel Speed durchfahren kann.

Unterhalb geht es (mit immer wieder mit schönem Ausblick) über Forststraßen zügig weiter – mal leicht aufwärts, dann wieder abwärts, bis die Route zu den Einstiegen im Bikepark führt. Wir haben uns für den Flow-Trail entschieden. Allen Anfängern oder entspannteren Fahrern ist der Flow-Trail definitiv zu empfehlen, weil es vor allem um runde Steilkurven und Hügel geht und weniger um grobe Steine, Wurzeln und Stufen, was auch die untrainierten Handgelenke sehr freut.

Im unteren Teil vom Flowtrail kommen dann mehr Leute dazu, weil der Bereich dann auch mit Lift erreichbar ist. Insgesamt fand ich die oberen zwei Drittel schöner, aber die letzten paar hundert Meter im Park sind auch voll okay.

„Verdammt – wenn ich das jetzt noch zwei drei mal mach kauf ich mir sicher wieder so ein teures Ding“

Die Tour hat echt Lust auf mehr gemacht – mit dem gefährlichen Potenzial wieder ein neues, teures Hobby anzufangen. Aber der Gedanke Frühjahrs-Skitouren mit dem Fahrrad zu kombinieren taugt mir schon sehr!

Hier gibts die Tour zum auf Bergfex (mit GPS-Download)

Wer sich ein genaueres Bild vom Trail machen will, dem empfehle das kurze Video.